Themen, über die alle sprechen sollten.
Die Arbeitswelt wurde für lineare Leistungsfähigkeit gebaut. Der Mensch funktioniert aber nicht linear.
Unsere Arbeitswelt liebt das „Immer“.
Immer leistungsfähig.
Immer belastbar.
Immer konzentriert.
Immer verfügbar.
Und wenn möglich: jeden Tag gleich.
Der Mythos der konstanten Leistung
Die britische Forscherin Dr. Lara Owen beschreibt einen Spannungsraum, den viele Frauen kennen: Auf der einen Seite die Erwartung, in einer leistungsorientierten Arbeitswelt konstant zu funktionieren. Auf der anderen Seite die Realität eines Körpers, der zyklisch lebt.
Vielleicht liegt genau hier einer der größten Widersprüche unserer Zeit.
Wir sprechen über New Work, über Agilität und über die Zukunft der Arbeit. Gleichzeitig halten wir an einem Leistungsverständnis fest, das davon ausgeht, dass Menschen jeden Tag gleich viel Energie, Fokus und Belastbarkeit zur Verfügung haben.
Dabei wissen wir längst: Das ist eine Illusion.
Kein Mensch funktioniert linear.
Wir alle kennen Phasen, in denen uns Ideen zufliegen, Entscheidungen leichtfallen und Projekte scheinbar mühelos vorangehen. Und wir kennen Momente, in denen wir mehr Zeit, mehr Ruhe oder mehr Konzentration brauchen.
Trotzdem bewerten wir Produktivität häufig noch nach einem Modell, das Konstanz über alles stellt.
Warum Frauen diesen Widerspruch besonders spüren
Für Frauen wird dieser Widerspruch besonders sichtbar.
Denn ihr Körper macht zyklische Veränderungen nicht nur erfahrbar, sondern sichtbar. Energie, Schlaf, Stimmung, Konzentration oder Regenerationsfähigkeit können sich im Laufe eines Zyklus verändern. Später kommen weitere Lebensphasen hinzu, etwa die Wechseljahre, die ebenfalls Einfluss auf das Wohlbefinden und den Arbeitsalltag haben können.
Die Frage ist also nicht, ob Menschen zyklisch funktionieren.
Die Frage ist, warum unsere Arbeitswelt so oft vorgibt, sie würden es nicht tun.
Vielleicht liegt darin auch der Grund, warum so viele Frauen versuchen (und auch indirekt gezwungen sind), sich an Systeme anzupassen, anstatt gemeinsam darüber nachzudenken, wie Systeme weiterentwickelt werden könnten.
Gleichstellung bedeutet nicht Gleichförmigkeit
Dabei geht es nicht darum, Frauen anders zu behandeln.
Es geht darum, die Realität anzuerkennen.
Denn Gleichstellung bedeutet nicht, Unterschiede zu ignorieren.
Gleichstellung bedeutet, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen unterschiedliche Lebensrealitäten Platz haben.
Wir sprechen heute selbstverständlich über mentale Gesundheit, über Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder über Diversität. Themen, die lange als privat galten, sind zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen geworden.
Vielleicht ist es an der Zeit, Frauengesundheit denselben Stellenwert zu geben.
Nicht als Frauenthema. Sondern als Führungs-, Gesundheits- und Zukunftsthema.
1,4 Millionen Gründe, genauer hinzusehen
Laut dem österreichischen Menstruationsgesundheitsbericht 2024 sind rund 1,4 Millionen Frauen in Österreichs Arbeitswelt direkt von Menstruations- oder Wechseljahresbeschwerden betroffen. Das ist keine Randgruppe. Das ist ein bedeutender Teil unserer Arbeitswelt.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, warum wir über diese Themen sprechen sollten.
Die eigentliche Frage ist: Warum sprechen wir noch immer so wenig darüber?
Denn was wäre möglich, wenn wir beginnen würden, Energie, Regeneration und unterschiedliche Lebensphasen als Teil einer modernen Arbeitskultur mitzudenken?
Über uns
Wir sind Anna, Susanne, Magdalena und Angela von Project.Flow.
Aus unterschiedlichen beruflichen Perspektiven beschäftigen wir uns mit einer gemeinsamen Frage:
Wie verändert sich unser gesellschaftliches, privates und berufliches Leben, wenn wir beginnen, die Lebensrealität von Frauen nicht länger auszublenden, sondern bewusst einzubeziehen?
Vielleicht entscheidet sich die Zukunft der Arbeit nicht allein an neuen Technologien, flexiblen Arbeitszeiten oder modernen Bürokonzepten.
Vielleicht entscheidet sie sich auch daran, ob wir bereit sind, die Realität menschlicher Vielfalt endlich mitzudenken.
Mit Women unfiltered laden wir euch einmal im Monat dazu ein, genau darüber nachzudenken und gemeinsam über den „kollektiven Tellerrand“ zu blicken.
Angela
