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    Wir reden über Brüste: Über das Offensichtliche und die Realität des Unsichtbaren

    von Charlotte Lisador März 18, 2026
    geschrieben von Charlotte Lisador

    Über Brüste wird ständig gesprochen. Über Größe, Form und Sichtbarkeit. Über ihre Funktion, ihr Dasein als normatives Symbol für Sexualität und Weiblichkeit, über Ideale und Erwartungen. Was dabei auffällig oft fehlt, ist das Gespräch über ihre Gesundheit oder über die Realität, wenn genau diese Gesundheit auf dem Spiel steht. Die Brust ist so oft Teil öffentlichen Interesses. Doch sobald sie durch Krankheit von der Norm abweicht, wird sie erstaunlich unsichtbar.

    Doch dieses Schweigen schützt niemanden. Es macht krank. Und es füttert ein System, das Frauengesundheit strukturell unterschätzt; in der Medizin, in der Forschung, in der Politik und im gesellschaftlichen Diskurs. Brustkrebs wird behandelt, aber selten wirklich verstanden. Frauen werden versorgt, aber zu selten gehört.

    Dabei betrifft Brustgesundheit uns alle. Nicht irgendwann, nicht erst später, nicht nur „die anderen“. Jede achte Frau. Das bedeutet: Jede erwachsene Person müsste mindestens eine der rund 70.000 Frauen kennen, die jedes Jahr die Diagnose Brustkrebs erhalten. Und trotzdem wird darüber noch immer zu leise gesprochen, zu vorsichtig, zu beschönigend. Als ließe sich eine Realität dieser Größe durch Zurückhaltung besser ertragen.

    Brustgesundheit beginnt lange vor einer Diagnose. Sie beginnt beim Wissen, in der Selbstwahrnehmung und der Überzeugung, den eigenen Körper ernst und wichtig zu nehmen. Sie gedeiht in einer Gesellschaft, die Frauen nicht kleinredet, wenn sie Symptome benennen oder Unsicherheiten äußern. Wissen ist die stärkste Waffe gegen Krebs. Und dennoch wird sie bis heute selektiv verteilt.

    Diese Leerstelle füllt dasBUUSENKOLLEKTIV e. V. auf seine ganz eigene Art und Weise: Aus der eigenen Erfahrung, sich als Brustkrebspatientin oft allein, isoliert und unverstanden zu fühlen. Und das, obwohl so viele erkranken. Im BUUSENKOLLEKTIV engagieren sich Frauen, die selbst von Brustkrebs betroffen sind. Jung, mitten im Leben, mit Familien und beruflichen Verantwortungen. Diese Realität findet in klassischen Broschüren und Ratgebern kaum statt. Diversität? – Fehlanzeige!

    Unsere Antwort darauf ist klar: laut, frech, wild. Nicht, um zu provozieren, sondern um sichtbar zu sein. Denn wer nicht auffällt, wird übersehen und wer übersehen wird, wird nicht mitgedacht. Unser Motto: „Krebs, das sind nicht die anderen. Krebs, das sind wir!“ Denn diese Krankheit ist kein Randthema. Sie ist Teil unserer Gesellschaft. Und genau so muss auch über sie gesprochen werden.

    Mit unseren Projekten und Kampagnen möchten wir eine Brücke zwischen Medizin und Lebensrealität bauen und damit etwas stärken, das im Gesundheitssystem noch immer zu wenig Raum bekommt: die Patientinnenperspektive. Aufklärung darf nicht nur aus Leitlinien bestehen, sie muss das Leben mitdenken. Die Fragen, die nachts kommen, wenn das Einschlafen schwer fällt und die Gedanken kreisen. Die Unsicherheit vor Entscheidungen. Die Lücke zwischen dem, was medizinisch erklärbar ist, und dem, was sich körperlich und emotional tatsächlich anfühlt.

    Es geht darum, einen safe-space zu schaffen für alle, die von Brustkrebs betroffen sind. Wir sind viele und im Wir-Gefühl nie allein. Unser Credo: Eine Buusenfreundin ist immer wach!

    Unsere Arbeit versteht sich als ein Akt der Selbstakzeptanz und als Rückgewinnung von Handlungsmacht. Es geht um Austausch auf Augenhöhe, um Ehrlichkeit statt Beschwichtigung und um das entlastende Gefühl, nicht allein zu sein mit einer Realität, die komplexer ist als jede Broschüre. Echtes Wissen entsteht dort, wo medizinische Expertise und gelebte Erfahrung einander ernst nehmen.

    Was uns antreibt, geht über Brustkrebs hinaus, denn Frauengesundheit ist politisch. Solange Patientinnenperspektiven in Kommunikation, Nachsorge und Versorgung fehlen, bleibt Aufklärung unvollständig. Brustgesundheit darf kein Spezialthema sein, kein pink eingefärbter Ausnahmezustand, sondern muss als selbstverständlicher Teil von Frauengesundheit verstanden werden.

    Über Brüste wird ständig geredet. Lasst uns also endlich auch über ihre Gesundheit sprechen.

    Denn Schweigen hat noch keine Frau geschützt. Wissen schon.

    Über die Autorinnen:

    dasBUUSENKOLLEKTIV e. V. ist ein bundesweit aktiver Verein von und für Frauen mit Brustkrebserfahrung. Laut, frech und wild setzt sich das Kollektiv für Aufklärung, Enttabuisierung und eine ehrliche, patientinnenzentrierte Auseinandersetzung mit Brust- und Frauengesundheit ein – gesellschaftlich, politisch, voller Konfetti mitten im Leben.

    Charlotte Lisador erkrankte 2022 mit 35 Jahren an Brustkrebs. Bei dasBUUSENKOLLEKTIV engagiert sich die zweifache Mutter als Head of PR für mehr Sichtbarkeit und eine authentische Kommunikation in der Brust- und Frauengesundheit. Musik und Theater sind ihre kreativen Kraftquellen. Schreiben versteht sie als Reflexion und Auseinandersetzung mit dem Leben mit und nach Krebs.

    Foto Credits: dasBUUSENKOLLEKTIV e.V. 

    März 18, 2026 0 Kommentare

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